Von Schneeketten ohje zu Schneeketten olé!

03. März 2018

Mit Studienabschluss in der Tasche und Mut im Herzen, stand es Anfang Dezember 2017 fest – ein Tapetenwechsel Deluxe. Ich tausche das schöne flache Niederösterreich gegen das Top-Ski-Gebiet am Katschberg. Warum auch nicht – keine Haustiere oder Pflanzen, die mich zuhause vermissen würden. Ich bin neugierig und auf der Suche nach neuen Herausforderungen!

Sechsfache Seehöhe und Klimawechsel der Extraklasse

Vor Abreise umfasste meine To-Do-Liste ungewöhnliche Punkte wie „robusten Eiskratzer besorgen“ oder „feste Winterschuhe mit ordentlichem Profil suchen“. Ganz unten auf der Liste fand sich auch ein großer Punkt namens „Schneeketten organisieren + Trockenübung“. Ich gebe es gerne zu – ein Fremdwort mit unangenehmen Beigeschmack! Meine erste Sitzung dauerte zirka eine Stunde und beinhaltete eine Picknickdecke und den Beginn einer innigen Beziehung zwischen mir und meinem Auto! Nach gut zwei Monaten sind wir noch in der Kennenlernphase, aber wir werden langsam warm!

Gut vorbereitet ging es dann auch los Richtung Katschberg. Mein Ziel: die Falkensteiner Hotels Katschberg. Vier Bundesländer und 290 Kilometer weiter sah die Welt schon ganz anders aus – aus Hügelchen wurden Berge und saftiges Grün verwandelte sich in strahlendes Weiß. Meine Erwartungen, welche auf Google Maps basierten, wurden weit übertroffen!
 

Wechselhafte Aussichten

Hat man es einmal den Berg hinauf geschafft, wird man bei Sonnenschein mit atemberaubender Aussicht mehr als belohnt. Überhaupt jene aus meinem Büro – da staunt man nicht schlecht! Auch wenn es an manchen Tagen nur zwei Varianten gibt: weißes Flimmern oder wunderschönes, sonniges und weitreichendes Bergpanorama, je nachdem ob die Sonne es schafft, die dicke Wolkendecke zu durchdringen!

Aber auch zu finsteren Zeiten ist einiges los. Des Nachts, wenn der Pistentrubel sich langsam dem Ende neigt, empfehle ich einen Blick aus dem Fenster. Anstelle von Schäfchen kann man Pistenraupen zählen, welche fleißig ihre Bahnen ziehen, um das tägliche Skivergnügen zu sichern. Neben der Aussicht aus meinem Büro im fünften Stock befindet sich mein Geheimtipp einer schönen Aussicht allerdings beim Gasthaus Bacher. Von dort hat man freie Bahn in alle Himmelsrichtungen und das noch unterhalb der undurchsichtigen Wolkendecke – Einfach ausprobieren!
 

Urlaube ich noch oder wohne ich schon?

Ich habe eine Gewerbe- und Industrie-Stadt gegen eine Top-Ski-Region getauscht und das spürt man in jedem Winkel. Geschmackvolle und durchdachte Architektur wo man geht und steht. Angefangen bei den bequemen Wasserbetten mit faszinierendem und weitläufigem Ausblick im Ruheraum des Hotel Cristallo über die liebevoll angerichteten und dekorierten Buffetvariationen des Club Funimation bis hin zu den verspielten Attraktionen für Kinder im ganzen Ort. Grau und trist gehört eindeutig der Vergangenheit an.

Auch der Geräuschpegel gestaltet sich anders. Mein Ohr war es gewohnt Züge und Autobahnen zu vernehmen. Heute lausche ich bewusst der Stille und dem Rauschen des Windes, der zwischen Aineck und Tschanek zieht. Dabei beobachte ich die wandernden Kumuluswolken, die von den Gipfeln gekitzelt werden.
 

Kleine Notwendigkeiten vs. großes Shoppingvergnügen

Trotz Checklisten und penibler Vorbereitung wandert schlussendlich doch nicht alles Notwendige in den Koffer. Es sind meist die Kleinigkeiten, angefangen von Kontaktlinsenflüssigkeit über Pflaster bis hin zum Schraubenzieher. Die erfinderische Kreativität, vorhandene Dinge umzufunktionieren, erreicht auch irgendwann ihren Höhepunkt und dann ist es soweit – Ich muss shoppen gehen!

Die Urlaubsdestination Katschberghöhe befriedigt ausgewachsene Shoppinggelüste nur unzureichend. Die nächste Möglichkeit, diesen entgegenzuwirken, befindet sich am Fuße des Berges. Das bedeutet auch, dass die Shoppinglaune mit den tatsächlichen Wetter- und den damit verbundenen Straßenverhältnissen eng verwoben ist. Je aufwendiger eine Tal- und Bergfahrt erscheint, desto rascher verfliegt das Shopping-Fieber und auch die Notwendigkeit schrumpft erstaunlich schnell. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage: „Das Warten lohnt sich!“ Denn bei strahlendem Sonnenschein und sicherem Gefühl auf den Straßen, kommt man zusätzlich in den Genuss, mehr von der Umgebung wahrzunehmen.

Sagt der Wetterfrosch auch mal eine längere Schneeperiode voraus, stellt das Shopping vom Wohnzimmer aus eine attraktive Alternative dar und schont meist sogar noch den Geldbeutel!

Fröhliches Gemüt auch abseits der Pistengaudi

Bei einem Ausflug nach Villach bemerkte ich erst, dass ich schon vergessen hatte, wie Wohnhäuser aussehen und wie voll Einkaufszentren sein können. Aber vor allem das Verhalten der Menschen am Berg im Gegensatz zu Nicht-Tourismus-Gebieten hat mich erstaunt. Am Berg begegnet man offenen und zuvorkommenden Personen, die einem in die Augen schauen und einen guten Morgen wünschen. In der City konnte ich beispielsweise einen Zusammenstoß noch in letzter Sekunde mit meinen neu gewonnen Slalomkünsten vermeiden. Mir sind diese Scheuklappen nie so bewusst gewesen.

Die Charaktereigenschaft der Leute am Katschberg lernte ich auch bei dem Thema „Eingeschneit“ sehr schätzen – helfende Hände sind überraschend schnell zur Stelle. In Situationen, bei denen das Auto aus der Parklücke gewippt wird oder bei Freischaufel-Aktionen, bei denen mit vereinten Kräften auch vier Autos freigeschaufelt werden, geht die gute Laune nicht verloren.

Mein Fazit: In manchen Situationen sehne ich mich vermehrt nach Ebenerdigkeit und nach vertrauten Personen, die meine Geheimnisse schon kennen. Wer nicht wagt, der auch nicht gewinnt. Ich genieße meinen Tapetenwechsel Deluxe immer noch in vollen Zügen. Täglich freue ich mich darauf, neue Persönlichkeiten kennenzulernen und an Herausforderungen zu wachsen. Nur wer das Nest verlässt, lernt das Fliegen!

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