5 gute Gründe für Sommer in Wien

30. Juli 2017

Sommer, Sonne, Strand und Meer? Sandstrand in Jesolo, blaues Meer in Kroatien oder kristallklarer Kärntner Bergsee? Alles schön, aber vielleicht doch ein bisschen zu… idyllisch? Für die, die auch im Sommer nicht auf abwechslungsreichen urbanen Lifestyle verzichten wollen, gibt’s hier 5 gute Gründe warum man gerade die heißeste Jahreszeit in Wien verbringen sollte. Und das natürlich ganz authentisch von einem echten Wiener.

#1 Donaukanal
Etwas nostalgisch möchte ich anmerken – ich hab ja am Kanalrand schon mein Dosenbier getrunken, da war hier noch nicht jede und jeder. Mittlerweile haben sich bekannte Hot Spots wie die Strandbar Herrmann (der erste „Sandstrand“ in der Innenstadt!), Badeschiff und Tel Aviv Beach etabliert und sind auch der Dorli aus Floridsdorf ein Begriff.

Das große Plus des Donaukanals: auch bei 40 Grad im Schatten verführt der rauschende Kanal abends mit einer kühlen Brise. Und wer schon beim Begriff „Kanal“ Ekel empfindet: Das Wasser ist grundsätzlich sauber und wäre auch zum Schwimmen geeignet – wenn nur die Strömung nicht zu stark wäre (daher auch die braune Farbe des aufgespülten Kanalgrunds). 

Nun aber zu meinen persönlichen Tipps – etwas abseits vom Mainstream:
Adria Wien
Lässig geht’s in der Adria Wien zu – rundum das „Gewächshaus“ warten gemütliche Liegen mit Kanalpromenadenblick und gut gelauntem Personal. Fürs Leibliche gibt’s Burger an der Theke, einen Pasta-Food-Stall und Ben&Jerry‘s Eis.

Hafenkneipe
Fernab von Glanz und Glamour eines Tel Aviv Beachs wartet die herrlich urige Hafenkneipe: Heurigenbänke, ein paar Liegen, Steckerlfisch, g’schmackige Pizza aus der Tonne, kalte Drinks und der Kanal. Was braucht man mehr?

Konsumfreier Kanal
Neben dem reichen Gastro-Angebot kann man sich grundsätzlich überall am Kanalrand mit Dosenbier oder mitgebrachtem Picknickkorb niederlassen – sehr empfehlenswert ist aber die breite Treppe ins Wasser gegenüber von der Adria Wien (hier ist nicht ganz so viel los) oder die Wiese gegenüber vom Traditionsclub Flex. Besonders toll: Hier gibt's nicht nur Blick auf den Kanal sondern auch auf Graffiti-Kunst, Buntes am Flex und ein jährlich wechselndes Riesenkunstwerk am Ringturm. 

#2 Donauinsel an der U2
Seit Elisabeth Spiras „Donauinsulaner“ ist die Iiiiinsel ganz Österreich ein Begriff. Abseits von Copa Cagrana und dem Herbert & der Heidi am FKK-Strand haben sich ein paar Juwelen entlang der noch nicht ganz so alten U2-Verlängerung über die Donaustadtbrücke entwickelt.

Wer sich gerne im Wakeboarden versuchen möchte (oder anderen einfach dabei zusehen will – meine persönliche Präferenz) ist hier am aufgestauten Teil der neuen Donau genau richtig. Zum Abkühlen ein Sprung ins kühle Nass – entweder ein Stückchen weiter nördlich der Wakeboarder in die neue Donau oder beim U-Bahn-Ausgang schräg rechts von einem der gemütlichen Holzstege an der alten Donau (Wochenende? Better be early!).

Beide Gewässer haben übrigens ausgezeichnete Wasserqualität – vergleichbar mit Kärntner Badeseen. Und die Neue Donau bleibt selbst im Hochsommer noch erfrischend. Kulinarisch besonders fein ist die Marina am andern Flussufer – hier lässt sichs Frühstücken mit Blick aufs Wasser!

#3 Wiener Bäder
Noch nicht genug geplanscht? Dann auf ins Krapfenwaldlbad! Die für Wiener*innen beschwerliche Anreise (ganze 30 min mit dem Bus!) die Wiener „Berge“ hinauf lohnt sich allemal – vom Becken aus bietet sich ein herrlicher Blick über Wien. Aber nicht nur die Landschaft wird bestaunt: das Publikum trifft sich hier vor allem um zu sehen und gesehen zu werden.

Wer also die Weihnachtskekserl noch gut gebettet hat oder einfach natürliches Wasser gegenüber Chlorbecken bevorzugt, dem empfehle ich das gemächlichere Bundesbad Alte Donau. Weg vom Aurel & vom Anatol, hin zum Bernd & zur Beate. Hier gibt's noch in Ketchup getränkte Pommes, Jolly und Twinni sowie sanfte Wasserzugänge und gemähten Rasen bzw. Algenteppich. Für einen Sommer, wie er früher einmal war.

#4 Wiener Märkte
Wen das Baden nun ganz hungrig gemacht hat, der ist auf den Wiener Märkten gut aufgehoben. Nein, ich meine nicht den Naschmarkt. Der war vor 10 Jahren hip, mittlerweile Must-See in jeder 0815-City Tour.

In den letzten Jahren haben sich einige schon vergessene Marktplätze gemausert und der*die Wiener*in hat den Charme von niedrigen Marktständen und frischem Obst & Gemüse wieder entdeckt. Neben Karmelitermarkt (schon recht eingesessen), Volkertmarkt (noch ein bisschen im Werden), Kutschkermarkt (klein, aber fein) und Vorgartenmarkt (relativ neu und hält, was er verspricht) ist der folgende mein persönlicher Favorit:

Yppenplatz
Am Ende des berüchtigten Brunnenmarkts liegt dieser malerische Fleck höchstkonzentrierter Bobo-Idylle. Man möge meinen, man findet sich am Hauptplatz einer schmucken Kleinstadt bevölkert mit Falafel mampfenden, Hummus löffelnden und Aperolspritzer schlürfenden Gutmenschen. Neben dem Bio-Bauernmarkt von Freitag Nachmittag bis Samstag Vormittag – hier ist besonders der Schweizer Käsestand zu empfehlen – liebe ich vor allem die tollen Lokale:

Mani
Eher jung, lädt dieses nette Markthütte zu (meiner Meinung nach) dem besten Hummus Wiens – und dazu gibt’s gegrillten Karfiol oder Henderl mit Mangochutney. Das Team ist super freundlich, die Brownie-Tarte zum Dahinschmelzen. Mein neues zweites Wohnzimmer!

Wetter Cucina
Wer sich mal was gönnen möchte oder was zu feiern hat, dem sei das Wetter empfohlen. Italienische Küche vom Feinsten, nicht ganz billig, aber jeden einzelnen Bissen voll von Dolce-Vita-Glücksgefühl wert. 

Café Frida
Der kleine Spot des früheren Rasouli auf der Sonnenseite des Yppenplatzes beherbergt nun das charmante Café Frida. Ein bisschen Mexikanischer Flair, der sich vor allem in den traumhaften Baked Beans wiederspiegelt. Alle Speisen in Top-Qualität, Bio und Fair – das perfekte Frühstücksplätzchen.

Ludwig und Adele am Markt
Das höchste Haus am Yppenplatz (zumindest am Marktgelände) lockt mit einer tollen Getränkeauswahl und hausgemachten warmen Focacce mit allerlei guten Sachen drauf. Ein kleiner Geheimtipp ist die Terrasse unterm Dach des Hauses – hier hat man eine super Aussicht über den ganzen Platz. Auch bei Sommerregen kann man sichs unter dem Dach gemütlich machen.

#5 Museumsquartier
Ja ich weiß, schon fast so ausgelutscht wie der Naschmarkt. Dennoch: Bei Sonnenschein zwischen der Laura und dem Lukas auf einem Enzi braten (wenn man zu den Glücklichen gehört, eines ergattert zu haben), das ist Sommer in Wien. Deswegen darf das Museumsquartier hier auch nicht fehlen. Neben den Klassikern MQ Daily, Halle, Glacis Beisl und Kantine gibt es heuer neu das Café Leopold unter frischer Regentschaft und natürlich wie immer mein Liebling:

Café Corbaci
Auch nach der fünften Reservierung weiß ich immer noch nicht wie man das Lokal korrekt ausspricht. Definitiv richtig ist hier aber das Ambiente: wunderschön gefertigte türkische blaue Kacheln auf der Decke, klassisch österreichische Küche mit ausgezeichneten vegetarischen Optionen am Teller. Und die Kellner mit sympathischen Wiener Schmäh.


Auch im MQ gilt: Kein Konsumzwang. Einfach entspannt mit einer Dose Bier vom Würstlstand des Vertrauens auf ein Enzi oder die Treppe gesetzt und die kulturell-urbane Atmosphäre einatmen – so einfach ist Sommer in Wien!

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